29.12.2011

Tango Argentino und die Männer

Ein Phänomen das allen Tangueras bekannt ist: wo sind die Tangueros? Warum, so frage ich mich, lassen sich so wenig Männer zum TA "überreden"?



Der Mann hat eine ziemlich anstrengende Aufgabe beim TA. Zumindest solange er in der Lernphase ist. Also damit vermutlich sein ganzen Leben ;-) Die geforderte Präzision beim Führen, dabei ständige Konzentration auf eine gute Haltung, Beobachtung der Umgebung (nein, nicht wegen der Rivalen, sondern wegen der anderen Tanzpaare und der geforderten Höflichkeit, diese keinesfalls in ihrem Tanz zu behindern oder gar zu gefährden). Dann soll er ja auch noch toll dabei aussehen (oder ist das den Damen am Ende etwa egal'?). Es ist also schon eine ganze Menge, die vom Mann verlangt wird.

Die Rolle der Frau kann ich hier ja nur aus dem Blickwinkel eines Mannes wiedergeben. Sie soll sich gut führen lassen! Also entsprechend sensibel auf seine Führungsimpulse reagieren. Aber vermutlich wünschen sich wir Männer uns manchmal, dass die Frau wohl eher als Hellseherin vorherahnt, welchen Schritt wir als nächstes tun wollen. Vor allem dann, wenn wir es selbst noch nicht wissen oder den entsprechenden Impuls nicht rechtzeitig oder nicht eindeutig genug gesetzt haben. Natürlich soll sie dabei auch noch umwerfend aussehen.

Liebe Männer, Frauen - zumindest die meisten - sind keine Hellseherinnen. Schnappt euch einmal eine gute Tanguera und tanzt mit ihr. Wenn ihr dann nicht genau "ansagt" was getanzt werden soll (also genau welchen Schritt ihr von der Frau als nächstes verlangt), dann wird sie einfach nur "nichts" tun. Sie wartet nämlich darauf, dass ihr agiert. Wir Männer lieben doch die "Herrscherrolle". Also, das ist doch die Gelegenheit dazu!

Was "bekommt" aber ein Mann, der sich auf den TA einlässt? Ich finde, eine ganze Menge! Wenn ich bei einer Milonga so in die Runde sehe, dann erblicke ich jede Menge hübscher Frauen. Nett zurechtgemacht, teils tolle Kleider. Also durchaus etwas für das Auge. Mir persönlich sind auch interessante Gesprächsthemen wichtig. Eine Frau muss auch etwas zu erzählen haben. Und aufgrund des zahlenmäßigen Verhältnisses, können sich die Männer auch noch aussuchen, mit welcher sie tanzen möchten. Das ist doch wohl mehr als genug "Entschädigung" für all die anfangs erwähnten "Opfer", die ein Mann beim TA bringen muss.

Aber mir (und all meinen Kollegen) kann es ja nur recht sein. So dürfen wir auch weiterhin wie "Gott in Frankreich" - pardon wie "Gott im Tangohimmel" genießen ... und schweigen ;-)


Kommentare:

  1. Zitat: „Wenn ihr dann nicht genau ‚ansagt’, was getanzt werden soll ... , dann wird sie einfach nur ‚nichts’ tun.“ Na ja, es kann noch schlimmer kommen: Die Frau macht nicht nur nichts, sondern sie macht das Gegenteil dessen, was man(n) führt, oder besser: was man glaubt, geführt zu haben. Herrlich anzuschauen etwa in diesem superkomischen Clip http://www.youtube.com/watch?v=lE3Hs4bsPhg&feature=player_embedded, wo gleich beim ersten Schritt eben dieses Malheur passiert. Kommt in der Realität (jedenfalls in meiner Tango-Realität) recht oft vor, natürlich nicht so grotesk überspitzt wie im Clip. Mag sein, dass das auch die indirekte Antwort auf deine eingangs gestellte Frage „Wo sind die Tangueros?“ ist. Für uns Männer ist es doch viel einfacher, vorgestanzte Tanzschritte (wie beim Standard-Tanz) mit unserer Partnerin abzuspulen, statt die Charakteristika der Musik in improvisierte Tanzfiguren umzusetzen (und dabei noch den Bewegungsstil der Frau miteinzubeziehen). Herausforderung pur!

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  2. ... und eben diese Herausforderung ist ja das Interessante am TA - oder? Allerdings kämpe auch ich noch mit dem Phänomen, dass die Frau dann manchmal statt nichts, etwas anderes (eigenes) tut ::-))

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